Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Agnes. 5

Daß man ſich ſo um ſie bemühte, war eigentlich ſehr auffallend; denn es gab in ihrem Lebenskreiſe Viele, die ſchöner waren, Viele, die auch die Tochter eines Geheimenraths oder Freiherrn, und noch unendlich Mehr, die reicher waren als Agnes. Der Grund konnte allein in einem durchaus ungewöhnlichen Weſen liegen, das auch hier jenen Zauber hatte, den es immer aus⸗ übt; und dann in noch etwas: man fühlte nämlich, wenn man Agnes öfter ſah, daß ſie eine große Glücks⸗ und Leidensfähigkeit beſaß; ſie gehörte zu den wenigen Charakteren, die aus einem Uebermaaß an Glück wie

an Schmerz ſterben können; dieſe Fähigkeit hat für 5 Fähig 3

fühlende Menſchen, für feurige Seelen etwas ganz Unwiderſtehliches. Sie verrieth ſich aber bei Agnes, wie das immer geſchieht, ganz unbewußt, was ihre ſympathetiſche Kraft noch verſtärkte.

Aber nicht nur daß Agnes Alles doppelt ſtark wie gewöhnliche Menſchen fühlte, ſie hatte auch, wenn ſie mit Andern zuſammen war, gar keinen Begriff, daß dieſe nicht eben ſo lebhaft empfänden, dieſe ſich nicht auch im ewigen Wechſel von Ebbe und Fluth der Ge⸗ fühle befänden wie ſie; und dadurch daß ſie jedem An⸗ weſenden ihre eigne Wärme der Empfindung zutraute, erhielten ihre Mittheilungen, ihre einfachſten Erzäh⸗ lungen die anziehendſte Lebensfriſche. Dazu ihre un⸗