Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Agnes.

ihr jedes Entſagen als ein Unglück; weil man ihr als Kind Niemand vorgezogen, dachte ſie auch ſpäter nicht an die Möglichkeit zurückgeſetzt werden zu können, und weil ihre Seele ſich frei, ohne gemeiſtert zu werden, ent⸗ wickelt, hatte ſie auch nicht gelernt, ihre Einbildungs⸗ kraft zu zügeln, bei ihren Urtheilen behutſam tiefer zu blicken, als es der erſte Anſchein ihr eingab, und dem verführeriſchen Zuge der Ertreme gegenüber die große Lebenskunſt des Maaßhaltens zu üben: natürlich ent⸗ ſtand daraus, daß ſie trotz ihrer großen Gunmithigkeit oft vollkommen ungerecht ſein konnte.

Sie war ohne die Leitung einer Mutter aufgewach⸗ ſen, da ſie dieſelbe bei der Geburt verloren hatte, und allein von einem Vater erzogen worden, der ſie, ſchön, talentvoll und liebenswürdig wie ſte war, vergötterte.

Agnes war jetzt, unſere Erzählung beginnt mit dem Jahre 1840, ein und zwanzig Jahre alt, und obgleich ſie ſeit ihrem fünfzehnten Jahre als völlig erwachſen in der Welt erſchienen war und viel mit Männern ver⸗ kehrt hatte, war dennoch ihr Herz von jeder Neigung ganz unberührt geblieben. Der Grund davon lag viel⸗ leicht nur darin, daß man ihr zu viel Huldigungen ent⸗ gegen getragen, zu viel Neigung gezeigt; wohin ſie blickte, war ein Bemühen, ihr Herz zu erlangen, und deshalb ſchloß dies eigenſinnige Herz ſich zu.

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