Teil eines Werkes 
4. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

was wüßte ich jetzt, denn es ſummt mir noch immer ſein letztes Röcheln in den Ohren und ſein erſterbender Blick dringt noch immer in meine umflorte Seele. Ich vermache Dir meine Rache, ſagte er ſterbend, ich kann ihn nicht mehr ſtrafen, ſtrafe Du ihn? Wie ſoll ich ihn, den er meinte, ſtrafen, wie ihn nur erreichen? O, die Pfade der Menſchen führen weit auseinander und ſelten treffen die wieder zuſammen, die ſich einmal freundlich oder feindlich begegnet ſind. Das wäre alſo das Hauptvermächtniß meines Freundes die Rache! Ach, das iſt kein angenehmes Geſchenk für mich, deſſen Hand nicht dazu geſchaffen iſt, an dem Leben eines Menſchen zu rütteln; ich liebe die Men⸗ ſchen und leihe nur ungern meine Kraft, das Geſchöpf zu zerſtören, welches Gott in ſeiner Liebe und Güte erſchaffen und unter ſo vielen Mühen hat wachſen und gedeihen laſſen.

ꝛAnußer dieſem traurigen Geſchenke aber hat er mir noch ein anderes Vermächtniß hinterlaſſen die Pa⸗ piere, die er im Gefängniß zu Bergen mit ſeinen Ge⸗ danken gefüllt, vor meinen Augen verſiegelt und mir erſt vor wenigen Tagen übergeben hat. Da liegen ſie vor mir und ich vermag kaum meine Augen da⸗ von abzuwenden, ſo theuer, ſo werthvoll ſind ſie mir. Sende ſie meinem Vater, ſagte er mir mit gewichtiger