337
und einer gewiſſen trägen Unluſt in jeder Geberde und Bewegung, folgte Waldemar, ſo daß ſie Beide die Rollen vertauſcht zu haben ſchienen, was wohl ſeit Jahren nicht geſchehn ſein mochte. Aber Waldemar erlag faſt dem Einfluß einer eigenthümlichen und un⸗ erklärlichen Beklommenheit; jeder Schritt wurde ihm ſchwer, als hinge ſich Blei an ſeine Füße oder als riſſe ihn eine befreundete Gewalt zurück, ſo daß er ſich ſelbſt geſtänd, wenn Magnus in früheren Tagen ein ſolches Gefühl gehabt hätte, würde er es bei ſeinem Aberglauben für zweckmäßig gehalten haben, lieber den Schritt zu hemmen, als ihn fortzuſetzen. Daran jedoch war heute bei ihm nicht zu denken. Heute zum erſten Mal in ſeinem Leben, ſo lange er im Beſitz ſei⸗ ner freien Selbſtbeſtimmung war, hielt ihn kein Wahn, kein Aberglaube, kein Vorgefühl oder wie man es nen⸗ nen will, von ſeinem Vorſatze zurück und von einem innern inſtinctartigen Triebe geſtachelt, rannte er— ſei⸗ nem Ziele entgegen, wie er es ſelbſt an dieſem Mor⸗ gen wiederholt genannt hatte.
So gelangten ſie denn in kurzer Zeit an die Waſ⸗ ſerenge, die bei der Lietzower Fähre den kleinen vom großen Bodden trennt, und ſchon ſahen ſie von Wei⸗ tem die Eisfläche im goldenen Sonnenſtrahl blitzen,
die, wie Jochen ihnen mitgethielt hatte, von hier aus Der Strandvogt. III. 22


