Was zunächſt ihre körperlichen Eigenſchaften be⸗ trifft, ſo gehörte ſie zu der nicht geringen Anzahl von Frauen, die von der Natur leider zu ihrem eigenen und Anderer Unheil die ſo oft geprieſene und doch ſo trügeriſche Gabe der Schönheit empfangen haben und ſie zu gewiß nicht beabſichtigten Zwecken zu gebrau⸗ chen oder vielmehr zu mißbrauchen verſtehen. Sie war im Ganzen und Einzelnen bei oberflächlicher Be⸗ trachtung eine gefällige, ja eine liebliche Erſcheinung. Hoch und herrlich ſchlank gewachſen, von wunderba⸗ rem Ebenmaaß der Glieder, überragte ſie alle ihre früheren Freundinnen und Niemand lebte in der Um⸗ gegend, der ſich in dieſer Beziehung nur im Gering⸗ ſten mit ihr vergleichen konnte; und wie Hille mit Recht das ſchöne Mädchen von Saſſenitz hieß, ſo wurde auch ſie mit Recht in Spyker und der ganzen Nachbarſchaft das ſchöne Fräulein von Spyker ge⸗ nannt. Ihr lichtblondes, faſt goldgelbes reiches Haar floß gewöhnlich in langen fliegenden Locken um ihre wolkenloſe und kecke Stirn; ihr Geſicht, von faſt blen⸗ dender Weiße, war namentlich in Augenblicken der Gefühlsanregung von einer mattroſigen Gluth über⸗ haucht, wie ſie nur Blondinen ſo rein und zart zu eigen iſt; und dabei war ſie, auffallend genug, mit dunkelbraunen feurigen Augen begabt, die nach Gefal⸗
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