dieſes Selbſtbewußtſeins mir ſo feſt in der Erinnerung geblieben iſt.
Eines Morgens nämlich, ich glaube, es war ein kirchlicher Feiertag und die Glocken des nahen Mathe⸗ naerkirchthurms hatten noch nicht ihre friedlichen Töne verklingen laſſen, klirrten plötzlich die Fenſterſcheiben unſeres Wohnzimmers und ein dumpfer Donner dröhnte durch die Straßen der Stadt, in welcher eilende Men⸗ ſchen ſchreiend umherliefen und auf- und abjagende Pferde Funken aus den Steinen ſprühen ließen. Mein
Vater ſprang vor die Thür, kehrte aber bald darauf
blaß und aufgeregt zu uns zurück. Er ſprach mit der weinenden Mutter eine Zeitlang in ſeinem Zuſchneide⸗ kabinet; dieſe band darauf ein kleines Bündel zuſam⸗ men und legte es auf den Tiſch. Etwas ſpäter trat mein Vater wieder hervor, ſeinen Rohrſtock in der Hand haltend und einen klappernden Säbel an ſeiter Seite nachſchleppend. Er ſetzte ſeinen kleinen dreieckigen Hut auf ſeine graue Perrücke, küßte meine Mutter, die die Hände rang, und ſprach einige ermahnende Worte zu den zwei älteſten zurückgebliebenen Geſellen, denn die. übrigen jüngeren hatten bei dem erſten Kanonenſchuß das Haus in größter Eile verlaſſen.
Ich ſah alle dieſe Vorgänge mit ziemlicher Gleichgül⸗ tigkeit an, denn ich wußte nicht, was ſte bedeuteten. Als


