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geſchah.
Die ganze Stadt glich jetzt einem in größter Unruhe befindlichen Ameiſenhaufen. Lärmende, ſin⸗ gende, ſchreiende Schaaren zogen hin und her, Frauen, Jungen, von Neugierde und Uebermuth geſtachelt, mengten ſich in buntem Gewirr darunter und wir waren Zeugen von Scenen, die wenn nicht zum Wei⸗ nen, doch gewiß zum Lachen waren.
Dennoch aber mußte die anfangs ſo große Neigung, ſich den königlichen Truppen zu widerſetzen, nicht von langer Dauer ſein, denn man beſchloß ſehr bald, eine Deputation an den Herzog von Cambridge nach Han⸗ nover zu ſenden und auch die Nachbarſtädte aufzu⸗ fordern, das Gleiche zu thun und ſich für das in Un⸗ gnade gerathene Göttingen zu verwenden.
Dies ſtimmte indeß nicht mit den zu allem Ernſt entſchloſſenen Regierungsmaaßregeln überein. Die Re⸗ gierung fühlte ſich ſtark genug und forderte deshalb völlige Unterwerfung der rebelliſchen Stadt, weshalb ſie eine genügende Waffenmacht eiligſt gegen Göttingen vorrücken ließ. In wenigen Tagen war Fußvolk, Reiterei und Geſchütz vor der Stadt aus den benach⸗ barten Garniſonen zuſammengezogen. Während man aber die Antwort des Herzogs, welche die Deputirten


