Teil eines Werkes 
1. Theil (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Thür, um ſie aufzuſchließen. Es war wirklich der Prinz, mein Auge hatte mich nicht getäuſcht. Schnell kam er die Treppe herauf und anſtatt, wie er in der Regel that, in ſein Zimmer zu gehen, pochte er an das meinige und rief:Biſt Du noch wach, Kurt?

Ich öffnete die Thür und trat ihm freundlich ent⸗ gegen, aber ſogleich wich ich erſtaunt zurück, denn auf ſeinem ſonſt ſo klaren Antlitz lag ein düſterer Aus⸗ druck, trotzdem ſein Auge ungewöhnlich lebhaft glänzte und mir verrieth, daß ſeine Seele von ſeltener Auf⸗ regung bewegt ſei. Offenbar war er in der Geſell⸗ ſchaft ſeiner neuen Freunde geweſen, hatte mit ihnen viel hin und her disputirt und befand ſich in jenem unbehaglichen Zuſtande, den eine lebhafte und nur durch die Fluͤchtigkeit der Zeit abgebrochene Unter⸗ haltung zu hinterlaſſen pflegt.

Guten Abend, Bruno, ſagte ich warm, wie ich es immer that, wenn ich ihn in innerem Zwieſpalt ſah. Ja, ich bin noch wach, meine Bücher laſſen mich nicht ſchlafen, ſie ſind zu intereſſant.

Deine Bücher ſind intereſſant? Das mag ſein, es giebt aber noch Intereſſanteres als Bücher, glaube mir, denn ſie ſind todt und ſtarr und nur der Augenblick, den der Menſch erlebt und benutzt, iſt

Der Sohn des Gärtners. I. 22