Teil eines Werkes 
1. Theil (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26

entfernt, ſich noch höher als das Schloß ſelbſt erhebt und den ſchönſten Fernblick auf deſſen alterthümliche Architektur wie über das ganze, gleich einem Garten rings umher liegende Land gewährt.

Auf der Spitze dieſes Bergkegels, den bis zur halben Höhe mächtige Waldbäume bedeckten, blieben wir dann gewöhnlich ſitzen; meine Mutter zog eine leichte Arbeit hervor und ich, neben ihr Platz nehmend und mit ihr ſprechend, pflückte Feldblumen aller Art, die in bunteſter Mannigfaltigkeit auf dieſem ſchönen Erden⸗ fleck wuchſen.

Sehr häufig aber bemerkte ich dabei, daß die Hände meiner Mutter unbeweglich in ihren Schooß geſunken und ihre Augen mit wehmuthsvoller Starr⸗ heit auf das ſtattliche Schloß in der Ferne gerichtet waren. Auch kam dabei wohl eine Thräne in ihr ſanftes blaues Auge, jedesmal aber, wenn ſie bemerkte, daß meine ſpähenden Blicke darauf achteten, verſuchte ſie zu lächeln, gab mir einen liebevollen Wink und fragte:Iſt das nicht ſchön, mein lieber Kurt?

Nur um ihr zu gefallen, brachte ich anfangs ein ſchnellesJa, ja, Mutter! hervor, ſpäter aber ent⸗ deckte ich wirklich die angedeutete Schönheit und mein, die Gegenſtände allmälig verſtändlicher erfaſſendes Auge gewann Einſicht in die verſchiedenen Farbenbil⸗