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welt verknüpfte, da ihre Mutter ſehr früh und ihre ältere Schweſter ſchon vor Jahren geſtorben war. Außer ihrem Vater liebte ſie mich am meiſten auf der Welt, das hat ſie mir nicht nur ſehr oft ſelbſt geſagt, ſondern das ſah ich und fühlte ich auch an jeder wohlthätigen Handlung, die ſie ſo reichlich auf mich häufte, ſo daß ich es ihr jetzt, wo ſie längſt im Grabe liegt, nicht genug danken kann. Mit mir beſchäftigte ſie ſich außerordentlich viel; meine Kleidung ſtellte ſie in den frühſten Kinderjahren nur mit eigenen Händen her, hielt auf eine ungewöhnliche Sauberkeit an mei⸗ nem Leibe und wandte große Sorgfalt auf meine Erziehung, meine geiſtige Entwicklung und mein phy⸗ ſiſches Wohlbehagen, da, nach Lage der Dinge, von andrer Seite her ſehr wenig dafür geſchah. In allen Stücken erwies ſie mir ſo eine ungemein mütterliche Zärtlichkeit, ja, dieſelbe nahm bisweilen und gerade in den unglücklichſten Momenten ihres Lebens eine faſt leidenſchaftliche Innigkeit an, die ihre höchſte Höhe er⸗ reichte, wenn mir von Außen her, wie nur zu oft, irgend ein unverdientes Leid drohte.
Dieſes Leid ging, ſo weit ich es wenigſtens beurtheilen kann, ſtets von meinem Vater aus, und zu dieſer Ueberzeugung gelangte ich ſehr früh, indem ſie, ſoviel ich mich erinnere, faſt mit den erſten


