Teil eines Werkes 
1. Theil (1861)
Entstehung
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ganzen Umkreiſe beſaß, was an einem ſo kleinen Orte und unter den zahlreichen Beamten einer fürſtlichen Hofhaltung eine ſeltene Erſcheinung ſein dürfte. Sie war die Tochter eines ziemlich bemittelten Geiſtlichen, der, einige Meilen von W... entfernt, auf einem Dorfe wohnte, das jedoch nicht unſerm Fürſten, ſon⸗ dern ſeinem mächtigeren Nachbar, dem Herzog von B... gehörte.

Noch immer ſehe ich die milde, ergebungsvolle Miene und den wie unter einem ſchweren Drucke ge⸗ beugten Gang dieſer vielfach geprüften Dulderin vor mir. Ihr ruhiges, harmloſes Geſicht, ſo wohl zum Lächeln geſchaffen, war in der Regel tief beſchattet von tauſendfältigem inneren Weh, und nur ſelten zuckte ein flüchtiger Freudenſtrahl darüber hin. Ruhig in ihr Schickſal ergeben, bewegte ſie ſich vor meinen Augen auf und nieder, verrichtete alle Arbeit mit finnendem Schweigen und erfüllte ihre Pflichten mit muſterhafter Pünktlichkeit vom frühen Morgen bis in die ſinkende Nacht. Nur ſehr ſelten habe ich ihre ſanfte Stimme im fröhlichen Gelächter erſchallen hören; Freude kehrte nur dann in unſer ſtilles Haus ein, wenn, was indeſſen leider nicht allzu häufig geſchah,. ihr Vater ſie beſuchte, denn dieſer Beſuch r der einzige, der ſie mit dem glücklicheren gen⸗