Teil eines Werkes 
3. Bd. (1854)
Entstehung
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tuellen, moraliſchen und gemüthlichen Eigenſchaften zu erzielen. p Nichts Intereſſanteres giebt es ja für einen Arzt, als dieſes ſonderbare, bewegte Mienenſpiel der ver⸗ ſchiedenen geſunden und kranken Menſchen genau zu beobachten und treu mit ihrer inneren Begabung zu vergleichen. Es haben dieſes ſinnreiche Studium ſchon vor mir unendlich viele Aerzte getrieben, und daraus ſind die ſogenannten phyſtognomiſch⸗ diagnoſtiſchen Krankheitstabellen entſtanden, indem man ſo weit ging, anzunehmen, daß jede Krankheit,... wie jede Lei⸗ denſchaft... einen beſtimmten Geſichtsausdruck, einen 4 gewiſſen eigenthümlichen Blick hervorrufe. Dies will ich nun nicht behaupten, noch weniger vertheidigen, denn der Schmerz drückt ſich nicht allemal nach dem Sitze des Schmerzes und dem Theile des Leidens auf dem Geſichte verſchieden aus, ſondern er drückt ſich ei d allein der individuellen Reizempfänglichkeit des Leid n und ſeiner moraliſchen Kraft und gei⸗ ſtigen Bildung gemäß aus. Für mich waren nur die individuellen Mienen und Züge des Kranken in⸗ tereſſant, und da ich dieſe Lieblingsbeſchäftigung von den Kranken auf die Geſunden übertrug, ſo bewegte ich mich forſchend, denkend und phantaſirend in die⸗ ſem ewigen Kreiſe... Natur und Menſch... in