Teil eines Werkes 
3. Bd. (1854)
Entstehung
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ſeinen Schatten, ſeinen Frühling und ſeinen Winter hat. Wenn ich mit einem fremden Menſchen in ein neues Verhältniß trat, ſo ſuchte ich ſogleich ſeine Fä⸗ higkeiten, ſeine Neigungen und ſeine Beſtrebungen keynen zu lernen; ich übte mich, mich an ſeine Stelle, in ſeine Verhältniſſe zu verſetzen und aus ihm her⸗ aus, nach ſeinen Ideen zu denken und zu handeln, und durch dieſe fleißig fortgeſetzte Uebung war es mir oft geglückt, zu erkennen, wie und was der Menſch war und wie ich demnach mit ihm umgehen müſſe.

Dieſe Erkenntniß... ich geſtehe es ein... täuſchte mich zwar bisweilen, denn manche Menſchen umhüllen ſich mit einem ſo dichten Schleier der Un⸗ durchdringbarkeit, daß alle Verſuche dieſer Art an ih⸗ nen ſcheitern; im Ganzen aber hatte ich doch die Freu⸗ de, den Vortheil dieſer geiſtigen Spekulation auf mei⸗ ner Seite zu ſehen, ich ſelbſt ward gefördert und ich gewann oft das Vertrauen derer, mit denen ich mich

4 fo ſorgfältig beſchäftigte.

Von jeher war es aber meine Lieblingsbeſchäfti⸗ Jung geweſen,(und ich glaube, ich habe dies ſchon früher einmal angedeutet) das Aeußere des Men ſchen mit einem Blick zu erfaſſen und daraus, wenn kein Urtheil, doch eine Muthmaßung über ſeine intellet⸗