321 dem Maler zu, der mit großer Vorſicht jetzt die fei⸗ neren Geſichtslinien zog,„machen Sie es nur ſo kennt⸗ lich wie möglich. Es ſoll mir zu einem Zwecke die⸗ nen, der keine vollendete Künſtlerarbeit, vielmehr nur Aehnlichkeit und Erkennbarkeit der Züge im Allge⸗ meinen verlangt.“
„O, ich verſtehe ſchon,“ ſagte der Maler ſo leiſe und langſam, wie die Maler zu ſprechen pflegen, wenn ſie ihren Geiſt auf ihre Arbeit richten und doch dabei ihre Unterhaltung nach Außen fortſetzen,„Sie ſollen zufrieden ſein, nur noch zehn Minuten Geduld.“
„Was— ſo raſch geht das Ding?“
„Eine Skizze wie dieſe, die man aus der Erinne⸗ rung an einmal geſehene Züge entwirft, muß raſch angefaßt und vollendet werden. Jeder Zug, jede Linie drückt ſich im Fluge aus wie der Gedanke ihn bringt, und ein tüchtiger Maler muß eben ſo ſchnell ein ſol⸗ ches Geſicht zeichnen können, als der Beſchreiber Zeit gebraucht, die einzelnen Züge und Linien mit Worten zu ſchildern. So— ſehen Sie da— wie gefällt Ihnen der Menſch? Meiner Meinung nach habe ich ihn getroffen, wenigſtens ſteht er mir jetzt, wo ich ihn vor mir ſehe, faſt greifbar vor der Seele, wie damals, als er mich ſo höhniſch und grob von ſeiner Schwelle
wies.“ Die Inſulaner. III. 21


