— 344—
menſchliche Seele mit ihrem eiſernen Drucke belaſten und ſie an den irdiſchen Schmerz und das irdiſche Gefängniß erinnern, in dem ſie hier weilt, da ſie doch ſelbſt eine Tochter, ein Theil, ach! freilich nur ein Stäubchen der großen, unbegreiflichen Weltſeele iſt.
Eduard träumte. Zum dritten Male in ſeinem Le⸗ ben hatte er denſelben Traum, wenigſtens dem Stoffe nach. Er ſah den Himmel klar und blau, die ſüßeſte Windſtille herrſchte in der ganzen Natur. Blumen duf⸗ teten ihre lieblichſten Gerüche aus. Die ganze Welt war ihm ein Garten und er ſpielte wieder als Knabe mit den Blumen darin. Offen, weit, erreichbar lagen vor ihm alle Wege, die durch das Thal des weiten Lebens führen. Seine Sinne hatten ſich alle zu ihrer höchſten Vollkom⸗ menheit erſchloſſen. Er ſah in unendliche, ſchöne, reiche, weite Gegenden, nur die blauen Berge, vom ſanften Abend⸗ nebel umfloſſen, begrenzten den faßlichen Horizont. Sein Ohr horchte auf die ſanfteſten Melodieen, die vom Him⸗
mel herab zu tönen ſchienen, ſein Gefühl taſtete in einem
Meere von wollüſtigem Aether, den ſein Athem begierig ſchlürfte. Die ſaftigſten Früchte labten ſeinen Gaumen, er trank und trank, und konnte nicht genug der köſtlichen Flüſſigkeit trinken, die die ganze Welt wie ein unergründ⸗ liches Meer zu umgeben ſchien. Schiffe ſegelten auf die⸗ ſem Meere ohne Zahl mit weitgeblähten Segeln dahin. Und alle Menſchen, die er um ſich herum beſchäftigt er⸗
————


