Teil eines Werkes 
3. Theiles 2. Abt. (1852)
Entstehung
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zu nennen pflegte. Doch war auch für ſie dieſe Bezeich⸗ nung nicht in allen Punkten paſſend, ihr Lächeln, ihre Freundlichkeit, ihr ſanftes, hellblaues Auge wenigſtens 4 war roſig genug, und ihre Formen gehörten ſogar mehr 4

einer üppigen als einer mageren Schönheit an. Im

Ganzen war ſie das Ebenbild ihrer einſt ſehr ſchönen

Mutter. Nicht allzu groß, hatte ſie eine feine Taille bei 3

ſonſt, wie geſagt, etwas vollen Verhältniſſen. Lange, blonde Locken fielen über ein zwar blaſſes, aber außer⸗ ordentlich zartgeſchnittenes, wohlgefälliges Antlitz, das dem Beſchauer ein überaus feines Hautſyſtem mit zarten, bläulich durchſchimmernden Blutgefäßen zeigte, alſo einen 8 Teint darbot, der dem Kenner weiblicher Schönheit nichts zu wünſchen übrig ließ. Ihr Hals und Nacken waren reizend geformt, ihre Arme, Hände, Füße von der

Art, daß ſie ſogar einen Künſtler hätten begeiſtern kön⸗ nen, ihre Bewegungen und ihre Sprache endlich, als das eigentlich Belebende ihres ganzen Weſens, von außerge⸗ wöhnlicher Anmuth und Lieblichkeit. So war ſie das Gegenſtück zu der kräftigeren, charakteriſtiſcheren, energiſche⸗ ren Schönheit Judiths und eben deshalb vielleicht liebten ſich die beiden Mädchen, wie die entgegengeſetzten Pole an einem und demſelben Magnete haften, um ſo inniger, indem ihre beiderſeitigen Reize, an ſich ſo vollkommen, an Ausdruck und Wirkung himmelweit verſchieden waren.

An dem Nachmittage deſſelben Tages, der Ein⸗