Teil eines Werkes 
3. Theiles 2. Abt. (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

184

lebensfriſchen Waldemar Ramkau wieder, und ſeinem inneren gebrochenen Weſen entſprach ſein Aeußeres voll⸗ kommen. Sein braunes Haar war ſtark gebleicht, ob⸗ wohl noch in ſeiner früheren Fülle und wohlgepflegt er⸗ halten; ſeine grauen Augen, nur noch von einem längſt erloſchenen Feuer zuweilen glühend, lagen noch tiefer im Kopfe, ſein ſpitziges eckiges Geſicht war noch hagerer ge⸗ worden und hatte jene aſchgraue Schattirung angenom⸗ men, die man bei verlebten Aktenmenſchen ſo häufig fin⸗ det. Seine Geſtalt trug er noch ziemlich aufrecht, aber ſeine Haltung war eine gezwungene, erkünſtelte; an Fleiſch hatte er auch noch verloren und da er in ſeinen beſten Jahren ſchon mager geweſen war, ſo hätte man ihn jetzt mit vollem Rechte dürr und vertrocknet nennen können. Was ſeiner ganzen Erſcheinung aber noch immer einen Anſtrich jugendlicher Friſche gab, das war eine mit gro⸗ ßer Sorgfalt ausgewählte feine Toilette, denn ſein Schneider konnte ſeine Fracks und nur dieſe trug er nicht genug der neueſten Mode geme anfertigen und an der beinahe d durchſichtigen Leinwand, allein ſeinen arigewohnten Körper berühre en durfte, wurde das kleinſte Fleckchen, die verborgenſte ungehörige Falte mit Kenner⸗ augen erforſcht und beſeitigt. Seine Tochter, um ſie dem Leſer hier gleich mit vorzuführen, jetzt beinahe neunzehn Jahre alt, war eine von den Schönheiten, die Adalbert Lambeck eine bleiche