Alles ihm unter den Füßen wich und ſeine Hände ver⸗
geblich nach einer Stütze griffen, war ihr Buſen der ein⸗ zige Ort der Welt, an den er, wie an einen geweihten Altar, ſeine Schmerzen, ſeinen Kummer, ſeine Befürch⸗ tungen niederlegen konnte. Denn in dieſem ſeinen müden und todtkranken Her⸗ zen,— wir haben ſchon einen ahnenden Blick in daſſelbe geworfen— ſah es noch öder und trauriger aus, als in ſeinem Haufe. Ein einziger unbedachter, mehr leicht⸗ ſinniger als ſchurkiſcher Entſchluß, nur einen Augenblick in'’s Daſein gerufen, hatte ſein ganzes zukünftiges Leben vergiftet, hatte ihm die Ruhe dieſes Lebens, ſeinen vol⸗ len Genuß und die Belohnung für ſo viele Mühen ge⸗ raubt. Bald nach jener vergeblichen Aufſuchung eines ſeiner Obhut anvertrauten Kindes, hatte er ſich zwar mit der ſelbſt geflüſterten Beruhigung getröſtet, er habe ja nun ſeine Pflicht in vollem Maaße erfüllt, ein einmal Verlorenes ſei, wie die Vergangenheit, nicht wieder auf⸗ zufinden, nicht wieder zu erſetzen. Die neue, ungewohnte Belebung durch ſeine Verheirathung hatte ihm zwar An⸗ fangs neue Q ahennalhe Erdendaſeins geöffnet, und jene innere drängende Sti me betäubt— aber, kaum war ſein Haus ein Leichenhaus ſeiner jugendlichen, lie⸗ benswürdigen Gattin geworden, da brachen wie aus tau⸗ ſend verborgenen Ritzen und Sprüngen die Lavaſtröme
eines inneren Gemüthsvulkans auf, der qualmende Dampf
122


