ich muß nachholen, was mich die Muße in Bilſingen ver⸗ abſäumen ließ.— Denn ſchon fühlte er wieder in ſeinem rnſtoſen Gäff die Kraft und den Drang nach neuen Erfahrungen, nach unbekanntem größerem Wiſſen ſchäumen und treiben, die das ſtete Arbeiten in einer Richtung in den letzten Jahren in ſeinem Innern leiſe hatte ent⸗ ſchlummern laſſen.
Beim Mittagstiſche ſagte der Pfarrer:„Wie wäre es, wenn wir den letzten und ſo ſchönen Tag benutzten, und Deinen Lieblingsort, den Rabenſtein, beſuchten, Eduard?“ Einſtimmig und freudig wurde der Vorſchlag angenommen; die Mädchen holten ihre Tücher und Hüte, und bald waren ſie Alle, die Mutter und den Kantor Michel mit eingeſchloſſen, auf dem Wege nach den Bergen.
Als ſie ihr Ziel erreicht hatten, lagerten ſie ſich in das duftige Moos des Bergrückens unter der Eiche, die vor fünf Jahren jenen Segensſpruch des Vaters ver⸗ nommen, und hinter deren dickem Stamme der lauſchende Kantor ſich verborgen hatte. Dieſer ging mit der Mutter abſeits im leiſen Geſpräche unter den Bäumen auf und nieder; die drei jüngeren Schweſtern hatten ſich tiefer in den Wald entfernt, um Blumen zu einem Erinnerungs⸗ kranze für die Abweſenden zu ſuchen, und es blieben nur der Pfarrer, Louiſe und Eduard zurück. Letzterer ſaß zwiſchen Beiden, und alle Drei ſchauten in die blaue Ferne, über die Wipfel der tiefer ſtehenden Bäume, den


