— 28—— auf und weihte es für ſpätere Drangſale und eine Set. lenqual ein, die die beſten Lebensjahre ſeines beſähigten Geiſtes vergiften ſollte.
Doch der Charakter und der gegenwärtige Seelen⸗ zuſtand des vor uns Stehenden ſpringt am klarſten in die Augen, wenn wir auf ſeine Gedanken, die kaum ein Selbſt⸗ geſpräch zu nennen waren, mit derjenigen Genauigkeit eingehen, die ein ſolches Unternehmen einem Zergliederer menſchlicher Herzensregungen ſchwierig, aber unumgänglich nothwendig macht.
Das ſich jetzt draußen erhebende Schneegeſtöber, welches ein brauſender Südwind vermehrte, verdunkelte das Zimmer des Juſtizraths von Minute zu Minute mehr und mehr. Er ließ die Vorhänge deſſelben herab, zündete die Studirlampe an, rückte einen Seſſel vor ſeinen Arbeits⸗ tiſch und ließ ſich darauf nieder. Gedankenvoll ſtützte er ſeinen Kopf in die Hände und ſaß ſo eine Weile ſtumm, allein in inneres Brüten verſunken. Endlich blickte er, wie nach gefaßtem Entſchluſſe auf, verſuchte zu lächeln, und ſchloß etwas eilig ein zwiefach verſchloſſenes geheimes Fach in ſeinem Schreibtiſche auf, nahm daraus ein mit
rothem Leder überzogenes Käſtchen, welches beinahe einen Fuß lang und einen breit war und warf es, ehe er es öffnete, etwas unwillig vor ſich hin auf die Platte des Tiſches.—
„Da liegt es,“ ſagte er halblaut zu ſich ſelbſt, um


