Teil eines Werkes 
2. Theil (1859)
Entstehung
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Nach zwei Jahren kehrten wir wieder nach Eng⸗ land zurück und fingen das frühere einſame Leben von vorne an. Da erwachte plötzlich noch einmal die Sehnſucht nach den deutſchen Orten, die Emery Glan⸗ don einſt glücklich geſehn hatten, und abermals gin⸗ gen wir auf einige Zeit nach Göttingen. Dort aber fanden wir nicht einen einzigen alten Bekannten mehr vor, der ſich unſer oder unſrer früheren Freunde

erinnert hätte o, es iſt ein troſtloſes Gefühl, daß

eine Stadt ſich ſo ſchnell uns entfremdet und daß wenige Jahre hinreichen, uns aus ihrer Erinnerung zu reißen! Sogar der alte Arzt, der Henrietten und ihrer Tante beigeſtanden, war geſtorben, das Haus, worin Letztere gewohnt, niedergeriſſen, neu aufgebaut und verkauft, und kein Menſch war vorhanden, der ſich auch nur des Namens von Bergen oder Glandon erinnert hätte. Von dieſer traurigen Verödung auf⸗ geſcheucht, unſtät, immer noch hoffend, zog es meinen Herrn wie das Verhängniß mit eiſernen Armen noch einmal nach Danzig. Und jetzt war endlich die Zeit gekommen, wo das Schickſal ermüdet war, den gequäl⸗ ten Mann noch länger in der Irre umherſchweifen zu laſſen. Er ſollte die lange nicht genoſſene Ruhe, aber ſogleich auch die Gewißheit erhalten, daß Henriette von

Bergen für dieſe Erde wenigſtens für ihn verloren ſei. Emery Glandon. II. 28