432 Aufenthalts und bald war ihm der häufige Wechſel deſſelben ſo unentbehrlich geworden, wie früher das Verweilen in abgeſchloſſener Einſamkeit. Ach, der arme Herr ſuchte Zerſtreuung, aber bei ſeinem ernſten, gediegenen Charakter, ſeinem nur an einem Gedanken hängenden Geiſte fand er ſie nirgends. So traten wir denn eine große Reiſe durch ganz Europa an. Mylord litt damals, ich bin feſt davon überzeugt, ebenſowohl körperlich wie geiſtig, denn er war niemals bleicher, appetitloſer, magerer geweſen als zu dieſer Zeit. Wohin wir auch kamen, er ſah nichts von Allem, was zu ſehen war, und ich glaubè, daß ſelten ein Menſch eine ſonſt ſo angenehme und ſchöne Reiſe unternommen hat, ohne ſo wenig von allem Sehens⸗ werthen zu bemerken und ſo wenige Worte zu ſpre⸗ chen. Ich allein war und blieb der Dolmetſcher ſeiner
Gefühle, denn ich verſtand den kleinſten ſeiner Winke
und Wünſche, und daher ſchreibt ſich auch, wie ich denke, ſeine große Neigung zu mir, da ich treu bei ihm aushielt und ihn auf jede Weiſe zufrieden zu ſtellen ſuchte. Ach und das wurde mir von ihm ſelbſt ſehr leicht gemacht, denn niemals zeigte er eine bei Leuten ſeiner Art ſonſt ſo häufige Heftigkeit, niemals hatte er Launen, immer war er zufrieden mit Dem, was ich ihm that, ſagte oder wozu ich ihm rieth.
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