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In einem Gaſthofe bei Tiſche ſitzend hörte My⸗ lord zufällig das Geſpräch zweier Herrn an, die ſeine Nachbarn bei Tafel waren und in heiterer Weinlaune ihrem Herzen Luft machten. Hier hörte mein Herr zuerſt von einem Baron von Haldrungen reden, der, auf einem Gute in der Nachbarſchaft wohnhaft, eine zweite ſehr eigenthümliche Ehe geſchloſſen haben und dabei ein Lebemann nach dem Geſchmacke der heuti⸗ gen Zeit ſein ſollte.„Wo ſtammt ſeine Frau her?“ fragte der eine Herr, der von dem andren„Herr Graf“ angeredet wurde.„Sie iſt ein blutarmes Fräulein von Bergen und hat lange Zeit ganz im Verborge⸗ nen— ich weiß nicht wo, im Harz, glaube ich— und zuletzt bei einer alten Dame bei Hannover ge⸗ lebt, wo ſie der Baron, als er ſich einſt auf einer Jagd befand, entdeckt und mit ſeiner Perſon zu be⸗ glücken die Laune gehabt hat.“
Lord Shorneliffe hatte ſchon lange die Ohren ge⸗ ſpitzt. Kaum hatte er die letzten Worte vernommen, ſo legte er Gabel und Meſſer weg und ſtarrte den Sprecher mit einem Ausdruck in ſeinen Geſichtszügen an, wie nur ein Engländer ihn ſo ſteinern und wür⸗ devoll haben ſoll, wenn ſein Gemüth durch irgend etwas Außerordentliches bewegt iſt, und er doch die Selbſtbeherrſchung beſitzt, zu ſchweigen und ſich nicht


