Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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Sie ſetzte ſich mit zu ihrem Oheim in den Wagen und ließ den ihrigen hinterherfahren, denn da die Stadt unwegſam war, indem die Trümmer d der vor⸗ angegangenen Verwüſtung noch alle Straßen bedeck⸗ ten, ſo mußten ſie Beide bis zur Koldinger Mühle den einzigen offenen Weg über die Berge einſchlagen. Als ſie die unglückliche Stadt, deren Brandſtätten noch Flammen und Rauch in die friſche Morgenluft emporſandten, hinter ſich liegen ſahen und die Augen auf das freie Feld vor ſich richteten, athmeten ſie hoch auf, es war ihnen, als ob der ſchreckliche Alp, der ſeit vier Tagen auf ihrer Seele gelaſtet, plötzlich gewichen wäre und dem köſtlichen Gefühle uneinge⸗ ſchränkter Freiheit und Befahrloſigirn Platz gemacht hätte. Hier am Fuße der Mühle endlich trennten ſie ſich. Heiße Schmerzes⸗ und Freudenthränen zugleich vergießend, lag Helene lange am Halſe des wackeren alten Mannes und nahm ihm noch einmal das Ver⸗ ſprechen ab, welches er ihr in Bezug auf den Gefan⸗ genen in Kopenhagen ſchon ſo oft gegeben hatte. Und auf ein fröhliches Wiederſehen in ruhigeren Zei⸗ ten hoffend und tauſend Segenswünſche ſprechend, ſetzte ſich der alte Herr in ſeinen Wagen und lenkte nach dem Norden hin, während Helene in den ihrigen ſtieg, begleitet von einer Ordonnanz zu Pferde die