21. ihr Schlafgemach trennte, öffnete leiſe die Thür und trat, ohne das geringſte Geräuſch zu verurſachen, in ſein Zimmer ein. Der gute Alte lag wirklich noch zu Bette hinter den grünſeidenen Vorhängen und ſchlief feſt. Sie ſetzte das Licht auf den Tiſch, zog leiſe einen Vorhang zurück, kniete an ſeinem Bette nieder und drückte einen ſanften Kuß auf ſeine herab⸗ hängende Hand. Er ſchlug ſogleich die Augen auf und ſchien erſchrocken; als er aber Helenen an ſeiner Seite ſah und ihre warmen Lippen noch auf ſeiner Hand zu fühlen glaubte, lächelte er mild und ſtreckte ihr die Rechte entgegen.
„Schon auf, mein Lämmchen? Ei, guten Morgen, mein Kind. So ſüß bin ich lange nicht geweckt wor⸗ den— ach! daß Du immer bei mir bliebeſt!“
„Guten Morgen, mein Oheim! Aber Du ſchläfſt ja ſo lange— Du haſt doch nicht vergeſſen, daß wir früh reiſen wollen? O bitte, beeile Dich etwas, da⸗ mit wir fort kommen, ich habe keine Ruhe mehr in Kolding.“
„Du haſt Recht— ich auch nicht. Ich will ſo⸗ gleich aufſtehen.“
„Ich gehe ſogleich hinaus, nur ein Wort will ich Dir noch ſagen und das kannſt Du hier hören.—


