ihre Lieben auszuſtrecken, deren Zahl ſich ſeit Kurzem um ein bedeutendes Haupt vermehrt hatte, was ſie auch Gott— und Gott allein— offen und ehrlich geſtand.
Jetzt zündete ſie ihre Kerzen an und begann ſich langſam anzukleiden. Helene gehörte nicht zu den Frauen, die einen halben Tag gebrauchen, um für die andere Hälfte deſſelben mit ihrem Putze fertig zu werden und ohne Scheu an das Licht dieſes Tages zu treten. Ihre Schönheit an Antlitz und Geſtalt war ihr vollkommenſter Putz, und den verſtand ſie ſo raſch zu entwickeln und mit den ihm zugewieſenen äußeren Hüllen zu begaben, daß ſie, wenn es noth⸗ wendig war, in einer Stunde bereit ſein konnte, vor jedes Kenners prüfendes Auge zu treten. So war ſie aauch heute ſehr bald fertig und lauſchte nun, ob der alte Oheim noch nicht bei gleichem Geſchäfte wäre. Aber nein, es war noch Alles ſtill in ſeinem Zimmer. Da erfaßte ſie plötzlich eine eigenthümliche Unruhe. Es ſchien ihr Zeit zu ſein, an den Aufbruch zu den⸗ ken, und doch ſchlief vielleicht gar der Oheim noch. Wenn er ſich nun verſchliefe— nein, das durfte nicht ſein; und damit ſie ſicher wäre, daß dies nicht geſchehe, wollte ſie ihn ſelber wecken. Auf den Fuß⸗ ſpitzen glitt ſie durch das Zimmer, welches ſein und


