Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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mannigfache Anſpielungen der Nichte verrathen hatte.

Außer dieſer Zuneigung ihres Oheims aber hatte ſie noch etwas Anderes erreicht etwas, was wir nicht ſo deutlich bezeichnen können, und was ſie ſelbſt nicht mit einem beſonderen Namen nannte, was aber dennoch die Ueberzeugung, das tiefinnere Bewußtſein in ſich ſchloß, daß ihr ferneres Lebensglück eine be⸗ ſtimmtere Richtung durch dieſe Reiſe erhalten habe, als ſie kurz vorher für möglich gehalten, daß ſie, mit einem Worte, nicht mehr ganz allein im Denken und Fühlen auf dieſer Welt ſtehe, und daß ein fremdes Geſchick Macht und Bedeutung über das eigene ge⸗ wonnen habe. Ach! aber ſo ſüß dieſe Entdeckung auch war, ſo ſchrak ſie doch davor wie vor einem unſeligen Irrthum zurück. Wie, wenn ſie ſich dies⸗ mal nicht in ſich, ſondern in einem Anderen getäuſcht, wenn ſie die Wolke für den Himmel, den Tropfen für das Meer gehalten hätte? Nein, nein, nein! Das wäre etwas grauenhaft Entſetzliches, viel ent⸗ ſetzlicher als Alles, was ſie in ihrem bisherigen Leben Trübes und Trauriges erlebt. Darum hinab in den tiefſten Grund der Seele mit dieſem ſüßen Geheimniß! Keines Menſchen Blick er mag ſo edel und ſo treu ſein, wie er will darf darauf fallen, keiner