Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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den Schlaf herbeizurufen, und rückſichtslos gegen ihre eigene Behaglichkeit gab ſie ſich von Neuem der Fluth ihrer Gedanken hin.

Was hatte ſie in Kolding erreicht? fragte ſie ſich vor allen Dingen. War es Viel oder Wenig? Es war Beides. Viel in Bezug auf Das, was ſie nicht erreichen gewollt, Wenig in Bezug auf Das, was ſie wirklich beabſichtigt hatte. Wohl hatte ſie Henrik ge⸗ funden, ihn geſprochen, ihn getröſtet, aber befreit nein! Das hatte ſie nicht. Und doch war dies der eigentliche Hintergrund ihrer geheimſten Gedanken ge⸗ weſen. Vielleicht wäre es ihr gelungen, wenn der Kampf nicht ſtattgefunden, die unglückliche Brieftaſche nicht verloren gegangen und der Gefangene ihr nicht entriſſen worden wäre, vielleicht aber auch nicht. Was hatte ſie aber erreicht, was ſie nicht zu erreichen die Abſicht gehabt? Zunächſt die vollkommene Zu⸗ neigung ihres alten kinderloſen Oheims. Er hatte ihr in den letzten Tagen hinreichende Beweiſe davon gegeben, indem er ſie ehrlich nicht allein in ſein po⸗ litiſches Hausweſen, ſondern auch in ſeine übrigen Familienangelegenheiten und namentlich ſeine finan⸗ ziellen Verhältniſſe blicken ließ, welche letztere ſehr anſehnlich waren, und deren künftige Beſtimmung er in ſeiner altväteriſchen plauderhaften Art durch