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Das tiefbewegte Mädchen brach in ein krampf⸗ haftes Schluchzen aus. Sie konnte kein Wort mehr hervorbringen. Friedrich trat raſch auf ſie zu, ſchlug ſeinen rechten Arm um ihre Hüfte und hauchte einen flüchtigen Kuß auf ihre glühende Wange.„Lebe wohl,“ ſagte er leiſe,„tröſte die Mutter und erheitere den Vater. Ich bin nicht beſorgt um mich, denn ich kämpfe für Euch Alle und mein Vaterland. Alſo leb wohl!“ Und mit der Hand winkend, als wolle er ſie gleichſam von ſich abwehren, die ſich wieder zu ihm hin bewegte, trat er ganz zurück, und einen Augenblick ſpäter krachte die kleine Treppe unter ſei⸗ nem gewichtigen Fußtritte.
Aber da geſchah etwas hinter ſeinem Rücken, was ihn, wenn er es geſehen, vielleicht mit einem wonni⸗ geren Gefühle erfüllt hätte, als er bisher in ſeinem ganzen Leben empfunden. Gleich nachdem er das Zimmer verlaſſen, richtete Agathe ſich hoch auf und ſtarrte den leeren Raum vor ſich an, den ſo eben die Geſtalt des jungen Mannes eingenommen hatte. Und halb bewußtlos auf die Kniee fallend und beide Arme nach dem Entwichenen ausſtreckend, rief ſie in Her⸗ zensangſt und Seelenqual:„O Gott, o Gott! Er geht, ohne nur eine Ahnung meiner Gefühle zu ha⸗ ben. Friedrich, Friedrich! komm noch einmal zurück!“


