Teil eines Werkes 
2. Theil, 2. Abt. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Nachdem der Baron eine geraume Zeit Augen, Ohr und Herz dieſem köſtlichen Morgen geweiht, wurde allmälig ſein Geiſt thätig und er verſenkte ſich noch einmal in die nun hinter ihm liegende Vergan⸗ genheit und verglich ſie mit der lieblichen Gegenwart. Da fand er denn einen Unterſchied heraus, den er in ſeinem Alter kaum noch zu erleben erwartet hatte. Er war in der That ein anderer Menſch geworden; die Verhältniſſe ſeines Lebens, die traurigen Erfah⸗ rungen des letzten Jahres hatten ſeinen Geiſt geläu⸗ tert, ſeine Einſicht geöffnet und ſeinen Anſichten vom b Leben eine von ſeinen früheren bedeutend abweichende Richtung gegeben. Eine Weile dachte er ſtill für ſich

über alles Dies nach, dann aber überließ er ſich ſei⸗ ner alten Gewohnheit und ſprach ſeine Hauptgedan⸗ ken hörbar aus.

O, wie ſind meine Felder alle wieder reich ge⸗ ſegnet, ſagte er,wie iſt die Liebesfülle Gottes überall ausgeſtreut, und Niemand wird mehr auf dieſer Welt ſein, der mir den Frieden vergiftet, nach dem ich von jeher getrachtet und den ich nun endlich, meines Glückes wirklich bewußt, jetzt genieße. Aber es hat lange gedauert, bis mir die große Lehre meines Lebens gepredigt, und es iſt mir ſchwer geworden, bis ich ſie

4 endlich verſtanden habe. Den Leidenskelch, f 17

.v 28