Teil eines Werkes 
2. Theil, 2. Abt. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

241

Schickſal der beiden jüngſten Söhne des Barons un⸗ abänderlich entſchieden.

Unter dieſen wiederholten und ſich ſo ſchnell auf einander folgenden Schlägen hatte ſich des alten Va⸗ ters Herz tief gebeugt, aber er hatte ſich ſchon ſeit zu langer Zeit an traurige Ereigniſſe, die ſeine Familie betrafen, gewöhnt, als daß ſeine Kraft dadurch ge⸗ brochen und ſeine Mannheit untergraben worden wäre. Immer wieder richtete ſich der alte Eichenſtamm ſeines Herzens auf, von Neuem dem Lebensſturme kühn und unverzagt die Stirn bietend. Was ihn aber am ſchnellſten wieder erhob, ihn mit neuer Hoffnung er⸗ füllte und ſogar ihm ein Glück bereitete, welches er bisher noch nicht gekannt, das war die unverkennbare Liebe und Zärtlichkeit, die ihm ſein älteſter, einſt ſo ſchwer verkannter und ungerecht beſtrafter Sohn in jederlei Weiſe entgegentrug. Er war ja jetzt der Einzige, auf den ſich alle ſeine Familienhoffnungen ſtützten, er war der alleinige ſtark und unentweiht Gebliebene, wo die anderen im Strudel der Welt Schiffbruch gelitten und ſich ſelbſt und ihn, ihren Vater, mit in die bitteren Wogen des tückiſchen Meeres hinabgezogen hatten. Beſeitigt war längſt zwiſchen ihnen jeder auf irrthümlichen Anſichten beruhende

Zwieſpalt, gelöſt jeder Zweifel an einer aufrichtigen

Baron Brandau. II. 2. 16