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würden, brach ſie in einen unaufhaltſamen heißen Thränenſtrom aus. Da ging eine große Veränderung in ihr vor. Es fiel ihr wie Schuppen von den Au⸗ gen. Der Schleier, der ihr ſelbſt ihre Gefühle ver⸗ borgen, zerriß in tauſend Stücke, und ſie blickte nun frei und ungehindert in ihr eigenes Herz hinein. So hatte denn ihre Sehnſucht eine Geſtalt, ihre Empfin⸗ dung ein Bewußtſein angenommen. Weit, weit dehnte ſich vor ihr die Welt aus und ſie erkannte, wie die Wünſche des auf der Erde weilenden Menſchen keine einzelnen flüchtigen Erſcheinungen ſind, ſondern ſich an das Allgemeine knüpfen. Lange ſtand ſie an der Brücke unter den Bäumen und ſchaute noch immer in die Richtung, wo ſie den Geſchiedenen aus den Au⸗ gen verloren hatte. Sie konnte ihn nicht mehr ſehen und doch ſah ſie, dachte ſie nur ihn. O, wie war ihr ſo wunderbar, ſo ſeltſam zu Muthe! Wo war die kleine Welt geblieben, in der ſie bisher gelebt? Alles was in und vor ihr lag, war gewachſen, war groß wie das weite Meer, weit wie der unermeßliche Him⸗ mel geworden, und nirgends, nirgends war ein faß⸗ barer, mit den Sinnen erreichbarer Horizont. Alles, was ihr bisher unwichtig, kleinlich, bedeutungslos er⸗ ſchienen, nahm mit einem Male eine bedeutſame Ge⸗ ſtalt an. Ach, was war ihr jetzt jenes düſtere,


