„Mein theurer Oheim,“ flüſterte ſie ihm entgegen
„Du kommſt ſpät zu mir, aber Du kommſt; verzeihe,
daß ich nicht außerhalb des Bettes geblieben bin,* allein ich hatte die Hoffnung aufgegeben, Dich hini⸗ noch zu ſehen.“
Der weiche Ton dieſer ſüßen, alle Leidenſchaft des harten Mannes beſänftigenden Stimme ergriff den Baron gewaltig, und noch lebhafter bereute er, was er an dieſem Abend geſprochen.„Mein Kind, meine liebe Tochter,“ ſagte er,„verlange keine Verzeihung von mir für Etwas, was Du nicht verbrochen haſt; im Gegentheil, ich komme ſelbſt zu Dir, um Dich zu bitten, mir zu verzeihen, daß ich ſo rauh gegen Dich war und Deine freundliche Begrüßung zurückwies, wo ſie mir ſo unverdienter Weiſe geboten wurde.“
„Mein Oheim, o, laß Das! Begrüße mich jetzt, wenn Du mich überhaupt begrüßen willſt und ich werde denken, Du ſeieſt ſo eben erſt von der Reiſe zurückgekommen.“
Ddeer Baron hatte die weiche ſeidenartige Hand des
lieblichen Weſens ergriffen, beugte ſich über ſie und drückte einen väterlichen Kuß auf ihre reine Stirn. „Laß mich Deine Lippen küſſen, mein Oheim! Ach, mich hat außer meiner Mutter noch keiner mei⸗ ner Verwandten geküßt!“
Des Barons Mund!l lag ſchon auf dem ſüßen Mund


