Teil eines Werkes 
1. Theil, [1. Abt.] (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

299

er im Rechte war, ſo bin ich ſchon jetzt durch die Er⸗ innerung an jenen traurigen Tag hart beſtraft; Du wirſt nicht wollen, mein Gott, daß ein Vater, der ein Recht und die Pflicht hatte, den Eigenſinn ſeines Sohnes zu brechen, ſein ganzes Leben lang mit die⸗ ſem kindiſchen Eigenſinn zu kämpfen habe. Ach, was ſind das für Zeiten, für Neuerungen, für Erfahrun⸗ gen, die ich in letzter Zeit geſammelt habe! Ja, ja, wir Alten ſind den Zeiten, die da kommen, nicht mehr gewachſen, und das jüngere Geſchlecht über⸗ flügelt und beſiegt uns. Aber was können wir* dafür, daß wir graue Haare bekommen haben und der Zeitgeiſt ein anderer geworden iſt! Wir thun unſere Schuldigkeit, und ich glaube die meine gethan zu haben. Irrte oder irre ich, ſo lag und liegt die Schuld nicht an mir, ſondern o, an wem lag ſie denn, wenn nicht an uns: warum ſind wir geworden, was wir ſind, konnten wir nicht anders handeln? Plötzlich ſtand er ſtill und horchte es war ihm, als ob ein Seufzer aus dem nebenan liegenden Ge⸗ 8 mach durch die dünne Tapetenwand an ſein Ohr ſchluͤge.Ha! ſagte er leiſe,leben die Begrabenen wieder auf? Gerade ſo ſeufzte meine Frau, wenn ſie, über die Erziehung unſerer Kinder mit mir ſchmollend, weinend und betrübt ihr Bette geſucht hatie Halt