Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
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das Verbrechen zu Schulden kommen, deſſen Sie ſie zei⸗ hen ſie hat Sie nur zu leidenſchaftlich geliebt, nur allzu ſehr gefürchtet. Der Stolz und die Strenge Ihres Cha⸗ rakters mußten ſchlimm auf ein Gemüth, wie das ihrige, wirken. Nehmen Sie ſich in Acht, daß nicht, ſelbſt in die⸗ ſem Augenblicke, Gott auf euch beide herabſchaut und in Ihnen den Betrüger, in ihr die Betrogene erkennt. Eine Stunde der Nachſicht, ein Augenblick des Vertrauens hätte ſie vielleicht zu Ihren Füßen geführt, um Ihnen kein Verbrechen, nein! ſondern ein Ereigniß zu bekennen, das eine finſtere Wolke auf ihr ganzes Leben warf, ein Unfall, den ſie in einer Anwandlung unglückſeliger Schwäche ver⸗ heimlichte, der ſie in die Gewalt eines Weibes und eines Mannes gab, welche, die eine aus Haß, der andere von ſündhafter Leidenſchaft angetrieben, den Frieden ihrer Seele zu ſtören und über ihre Tugend zu ſiegen ſuchten. Dieſe Liebe, woran Sie zweifeln, hat ſie, mehr als eine höhere heiligere Liebe, vor einem Verbrechen bewahrt und ſie nur der entſetzlichſten, unausſprechlichſten Seelenangſt preisge⸗ geben. Leſen Sie dieſen Brief; jener Mann ſchrieb ihn, der vergeblich ihre Liebe zu erringen ſuchte, indem er ihr Herz marterte; leſen Sie das Tagebuch eines wirrenvollen Lebens, leſen Sie dieſe Bekenntniſſe vieler Sünden, vieler Drangſale, vieler Peinigungen; aber geſtehen Sie zugleich, daß ihre Liebe für Sie außerordentlich, unendlich war und jede gewöhnliche Liebe eines Weibes übertraf. Dann eilen Sie, gewähren und empfangen Sie Vergebung, bevor Gott das Weib zu ſich ruft, der Sie einſt am Altare das Ge⸗ lübde der treuſten, dienendſten Liebe ablegten, die Sie aus der Hand Gottes bekommen haben, um ſie zu tröſten und zu ehren und ſie auch in aller Gefährde dieſes Lebens nie⸗ mals zu verlaſſen, ſondern treu bei ihr zu verbleiben bis Euch der TDod ſcheidet!

Eduard Middleton antwortete nicht auf dieſe feierliche Mahnung; aber, erſtaunt und verwirrt, reichte er ſchwei⸗ gend die Hand hin, die Papiere in Empfang zu nehmen, welche Mr. Lacy ihm anbot. Dieſer nahm Abſchied. Eduard's Blicke folgten dem Wagen, ſo lange er ihm nach⸗