Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
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bette überbringe, und die Botſchaft einer Sterbenden ver⸗ nehmen zu wollen.

Ich achte Ihre Würde, verehre Ihr Amt; wenn aber der Gegenſtand, von dem Sie mit mir reden wollen, mich und nicht Sie ſelbſt betrifft, ſo muß ich Sie bitten, dieſe Unterredung ſofort abzubrechen. Es giebt Dinge, es giebt Namen, von welchen Niemand in meiner Gegenwart reden ſoll und ſelbſt das heilige Amt, das Sie bekleiden, giebt Ihnen kein Recht, mich dazu nöthigen zu wollen.

Es gab mir das Recht, aus dem Munde Ihrer ſter⸗ benden Frau ein Bekenntniß zu empfangen

Mr. Laey hielt inne und beſann ſich; Eduard's Züge zuckten krampfhaft zuſammen und der Geiſtliche ſah in ein Todtengeſicht. Gleich darauf aber nahmen ſeine Züge ih⸗ ren ſtarren, ernſten Ausdruck wieder an; ein unwilliges Achſelzucken verrieth Eduard's Ungeduld.

Und es giebt mir das Recht, fuhr Mr. Lacy fort, Ihnen zu ſagen, daß Sie eine furchtbare Ungerechtigkeit begehen, daß Sie in einem unglückſeligen Wahn befan⸗ gen ſind!

So ſtirbt ſie denn, wie ſie gelebt hat! rief Eduard zornig aus. So belog ſie Gott, wie ſie mich belogen hat!

Hüten Sie ſich ja, erwiederte Mr. Laey, auf ſolche Weiſe von Jemand zu ſprechen, dem ſeine Sünden verge⸗ ben ſind, der der Gnade Gottes theilhaftig werden wird, denn der Herr gewährt Erbarmen, wo der Menſch kein Erbarmen hat.

Es giebt Verbrechen, entgegnete Eduard wild, es giebt Verbrechen, welche Gott verzeihen kann, aber nicht der Menſch.

Er warf einen Blick auf den Brief, den Mr. Lacy in der Hand hielt und erkannte die Schriftzüge.

Iſt er todt? fragte er mit matter Stimme auf das Papier zeigend.

Leben und Verſtand verlaſſen ihn; die Verwirrung ſchlug betäubend die Flügel um ſeinen Geiſt und der Wahn bemächtigte ſich ſeiner Beute; aber eine letzte gewaltige Anſtrengung errang ihm die Kraft, das zu ſchreiben, was