Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
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Gegen Morgen zerſprang ihm in einem der ſtärkſten Anfälle ein Blutgefäß und Alice, die ſich nicht einen Au⸗ genblick von dem Bette entfernte, ward mit Blut über⸗ goſſen: dennoch wich ſie nicht von der Stelle. In den Zügen des Arztes las ſie die Gefahr, in welcher der Kranke ſchwebte; ſie befahl einem Bedienten, einen Geiſtlichen zu holen, kniete dann neben dem Bette nieder und in beben⸗ der Angſt ſah ſie auf das todtenfarbne Angeſicht ihres Mannes. Seine Augen waren ſchon halb gebrochen, und ſein Athem trübte kaum den Spiegel, den man vor ſeine Lippen hielt. Nach einigen Minuten dieſer gräßlichen Seelenangſt, bemerkte Alice, wie Heinrich die Augen öff⸗ nete und ſich mit dem Ausdruck jener innern Unruhe um⸗ ſah, die das Nahen der Stunde verräth, wo die Schnur des Lebensfadens zerreißt und die Pforten der Ewigkeit ſich öffnen; die lang verzögerte, zu ſpät erhobene Frage ſchien auf des Sterbenden Lippen zu ſchweben:Was ſoll ich thun, um zum Heil zu gelangen? Sie neigte ſich über ihn in ſprachloſer Wehmuth, ſeine brechenden Augen fielen auf das Kreuz, das an ihrem Halſe hing; ſie ſah's und brachte das Bild des gekreuzigten Heilandes ſanft er⸗ mahnend an ſeine Lippen:In Seine Hände empfehle Deine Seele und Du wirſt Gnade finden!

Heinrich vernahm es und ſeine Lippen bewegten ſich; ſeine Hand zuckte nach der ihrigen; noch einmal fiel ſein Blick auf das Antlitz des treuen Weibes, dann hob er die Augen zum Himmel und ſtarb.

Auf dieſes kurze, aber inbrünſtige Gebet, auf dieſen im Aufſchauen zum Himmel erlöſchenden Blick baute Alice Hoffnungen, worüber wir nicht grübeln, worüber wir uns kein Urtheil anmaßen mögen. Das zerſtoßene, aber nicht zerbrochene Rohr, worauf ſie ſich ſtützte, dürfen wir nicht zerbrechen, noch das glimmende Licht auslöſchen, das ihre Erinnerung auf die folgenden Jahre ihrer Pilgrimſchaft auf Erden warf.

Als der Geiſtliche wiederkam, kniete ſie noch am Todtenbette ihres Gatten, von ſeinem Blute über und über bedeckt.