Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
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zitterte, ſollte Miſtreß Middleton einen traurigen Zufluchts⸗ ort finden. Niach Miſtreß Middleton's Abreiſe begab ſich Alice einige Minuten in ihr Zimmer, kniete vor einem Cruzifix nieder und bat Gott in einem kurzen, aber heißen Gebete, daß Er ihr Kraft verleihen möge, mit Muth, Ausdauer und Geduld die neuen Prüfungen zu ertragen, welchen ſie ent⸗ gegen ſah. Hierauf ging ſie feſten Schrittes und mit from⸗ mer Faſſung zu Heinrich und ſetzte ſich in einer kleinen Entfernung von ihm, ruhig an ihre Arbeit. Ihn beobach⸗ tend, erkannte ſie ſogleich in ſeinen Blicken und Geberden, daß er mit dem Fieber des Wahnſinns kämpfte. Mit der Hand auf der Schelle, um augenblicklich nöthige Hülfe zu finden und der Ankunft des Arztes unruhig und ängſtlich entgegenharrend, ſprach ſie von Zeit zu Zeit mit ihrem un⸗ glücklichen Mann und antwortete liebreich und mit bewun⸗ dernswerther Faſſung auf die tollen Fragen, die er in wechſelndem Gedankenſtrudel an ſie richtete. In grauen⸗ voller Wuth wollte er plötzlich Muſik hören; er ſprach von David und ſeiner Harfe; er beſchwor ſie, den böſen Feind von ihm wegzuſcheuchen und mit einer erſtaunlichen Zungenfertigkeit floß die unzuſammenhängende Rede aus ſeinem Munde. Alice war nicht muſikaliſch; nie ſang ſie in ſeiner Gegenwart nun verſuchte ſie's zum Erſten⸗ male. Ihre Stimme war ſanft und rein, und inmitten der Stille, in der Dämmerung der einbrechenden Nacht, erhoben ſich ihre Töne in wunderſam feierlicher Harmonie. Sie ſang jene heiligen Lieder, die das Herz wie Ahnungen der Ewigkeit berühren. Einige alte Diener des Hauſes, die im Nebenzimmer weilten, ſanken nieder auf die Knie, und lauſchten auf dieſen wehmuthsvollen, frommen Erguß eines liebenden, leidenden Gemüths. Sie endete erſt ihren Geſang, als der Arzt erſchien. In einem Augenblick dü⸗ ſterer Unempfindlichkeit ließ ſich Heinrich in ſein Bett bringen; aber weder Arzneien, noch die ſorgfältigſte Pflege waren im Stande das Fieber zu beſiegen, das mit jedem Augenblicke mehr überhand nahm und von den furchtbar⸗ ſten Ausbrüchen der Tobſucht begleitet war.