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daß ſie nicht ſo bleich ausſehen und mir nicht ſo ſchrecklich in meinen Träumen erſcheinen möge; bitten Sie ſie, daß ſie ſich nicht mehr über mich neige und mit ſo herzzermal⸗ menden Seufzern mein Lager umſchleiche. Sagten Sie nicht, ſie ſey todt?
— Nein; aber ſie liegt im Sterben und hat ſich zum Tode vorbereitet; ſie betet, hofft und hat ſich in den gött⸗ lichen Willen ergeben, und Gott wird ihr gnädig ſeyn, denn ſeine Barmherzigkeit iſt unendlich!
— Dann wird ſie ein Engel werden, während ich in der Verdammniß winſele. Ein Abgrund zwiſchen uns! Woran denk' ich? Wo las ich denn das? Etwas Unge⸗ rechtes liegt hierin. Verzeihen Sie mir, Mr. Lacy, ich will Sie keinen Augenblick länger aufhalten. Sie werden vielleicht die Güte haben, mich von dem Erfolg Ihrer Unterredung mit Eduard Middleton zu unterrichten? Und grüßen Sie mir Ellen viel tauſend Mal! morgen werd' ich wieder zu ihr kommen!
Es lag etwas ſo entſetzlich Troſtloſes in dem vertrau⸗ lichen Ton, womit Heinrich dieſe letzten Worte ſprach, daß den Geiſtlichen ein Schauder überfiel, und er im Inner⸗ ſten ſeiner Seele für den Unglücklichen betete, der in die Finſterniß ſeines Wahnſinns zurückfiel, nachdem es ihm
durch eine gewaltige Selbſtbezwingung gelungen war, ſeine
Gedanken über einen ſo wichtigen Gegenſtand zu ſammeln. Mit wenigen Worten unterrichtete er Alicen, nachdem er Heinrich verlaſſen hatte, von der plötzlich wieder auflodern⸗ den Geiſtesverwirrung, welche ihre Unterredung unterbro⸗ chen hatte und empfahl ihr, nach einem Arzt zu ſchicken. Sie folgte ſeinem Rathe und als er Abſchied nahm, ſagte ſie leiſe zu ihm:„Beten Sie für uns!“
Tief entmuthiget begab ſich Alice in ihr Zimmer zurück. Sie verſchwieg der Miſtreß Middleton die Symptome, de⸗ ren Wiederkehr ihr eine ſo ſchmerzliche Angſt einflößte; ſie wollte keinen neuen Aufruhr in ihrer Bruſt erwecken und dadurch ihren Entſchluß erſchüttern, zu dem Siechbette hinzueilen, wo Heinrich's Opfer mit dem Tode rang; dort, fern von den drohenden Schreckniſſen, vor welchen Alice


