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ihr. Er griff nach dem Briefe und fragte, woher er täme.
Sie erbleichte und zitterte heftig. Er errieth alles. Ali⸗
Bracnd ergreifend, ſah er ihr mit wirrem Blicke ins eſicht.
— Lebt ſie noch?
— Ja, Heinrich, ſie lebt.
Bei dieſen Worten warf er ſich auf den Boden und kun erſtenmale in ſeinem Leben erhob ſich ſeine Seele zu Gott.
Als er wieder aufſtand, ſah er leichenblaß aus; er nahm aber den Brief und las ihn ſchweigend bis zu Ende. „Nicht todt, aber ſterbend!“ Er bedeckte ſein Angeſicht mit ſeinen Händen und weinte bitterlich.
— Alice! rief er endlich, als dieſe in ſprachloſer Weh⸗ muth ſich über ihn neigte; Alice! mein Schutzengel! geh' nicht von mir! verlaſſe mich nie! Lehre mich leben, lehre mich ſterben! gewähre mir Deinen Beiſtand, damit ich, wenn ich ſie ſterben ſehe, nicht läſtre, mich nicht ſelbſt ver⸗ fluche. Lege Deine Hand auf meine Stirn, verſcheuche die ſinnverwirrenden, grauenvollen Gedanken, die ſich meiner bemächtigen!— Sie ſtirbt! ſie iſt verlaſſen! was thun wir hier? Alice, ich muß dieſen Mann, dieſen Prieſter ſprechen; ſchnell, ſchnell— ſchick' ihn mir; es iſt keine Zeit zu verlieren.
Heinrich's Benehmen und Geberden waren ſo heftig und wild, daß Alicens Beſorgniſſe neu erwachten. Sie eilte ſchnell mit ihm nach Hauſe und ſchickte dann ſogleich einen Diener in den Gaſthof mit der dringenden Bitte an Mr. Lacy, ohne Verweilen zu ihnen zu kommen. Alice begab ſich hierauf zu Miſtreß Middleton und ſetzte ſie liebreich und mit der möglichſten Schonung von der glücklichen und traurigen Nachricht, welche die größte Sorge von ih⸗
rer Bruſt wälzte, in Kenntniß. Miſtreß Middleton ſchien
aus einem tiefen Traum zu erwachen und ſchickte ſich an, Ellen aufzuſuchen; aber es war keine Freudigkeit in dieſer
Erhebung ihrer gebeugten Seele und keine Hoffnung in der
Wallfahrt, die ſie vorhatte.
Eine Stunde darauf empfing Heinrich Lovell Mr. Lacy


