Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
Einzelbild herunterladen

200

Außenwelt unterdrückt, wieder nach Hauſe gekommen war, erfuhr ſie von der Frau des Portiers, ungefähr eine halbe Stunde zuvor wäre ein Herr in einer Poſtchaiſe vor dem Gitterthore angefahren und hätte den dringenden Wunſch zu erkennen gegeben, mit ihr zu ſprechen; nachdem er aber erfahren, daß ſe ausgegangen wäre, hätte er ſich nach ei⸗ nigem Beſinnen in das Portierſtübchen begeben und da⸗ ſelbſt einen Brief geſchrieben, welcher, wie er ausdrücklich verlangte, der Miſtreß Lovell gleich nach ihrer Zurückkunft eingehändigt werden ſollte. Mit einer Miſchung von Ban⸗ gigkeit und Neugierde nahm Alice den Brief; das einzige, was ſie vermuthen konnte, war, daß er von Eduard Midd⸗ leton käme. Die ununterbrochene Einſamkeit, worin die⸗ ſer lebte, das hartnäckige Stillſchweigen, worauf er beharrte, als Miſtreß Middleton ihm einmal einige Zeilen zu ſchrei⸗ ben Lrineg hatte, um ihn zu bitten, ihr ſeine Unterſtützung zur Entdeckung ſeiner ſchuldigen, aber unglücklichen Frau zu gewähren dieſe Erxinnerungen ängſtigten Alice der⸗ maßen, daß ſie mit zitternder Hand das Siegel des Brie⸗ fes erbrach. Sie ſah auf die Unterſchrift und bemerkte, zwar leichter

athmend, aber dennoch betreten, ſich getäuſcht zu haben, daß der Brief nicht von Eduard war. Sie las folgende

ilen:

Madam,

Ein Mann, der, kraft ſeines Amtes, aus ſterbendem Munde ein feierliches Bekenntniß empfing, und Zeuge ei⸗ ner tiefgefühlten Reue, eines ſchweren Kummers war, wen⸗ det ſich an Sie. Eine Frau, die eine Zeitlang für Sie und die Ihrigen todt zu ſeyn ſchien, lebt noch, obgleich ihr Leben wie ein Morgengewölk dahinſchwindet. Im Namen Desjenigen, Der nie das zerſtoßene Rohr zerbrechen wird, bitte ich Sie, ihr die letzten Lebensſtunden zu erleichtern, und Friede und Vergebung ihrem müden Herzen zu brin⸗ gen. Sie hat ſich mit ihrem Gotte verſöhnt und Ihm ih⸗ ren Haß und ihre Liebe geopfert; ſie wünſcht weiter nichts mehr, als die Vergebung derer zu erhalten, wider die ſie geſündigt hat und denen zu verzeihen, welche gegen ſie ge⸗