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Alles leben könnte? Du haſt ſie gemordet! geh, geh zu Heinrich Lovell, ſag' ihm, daß ſein Kind geſtorben ſey, daß ſein Weib am Sterben liegt! Und der Fluch einer Mut⸗ ter, der man ihr Theuerſtes genommen, und Gewiſſens⸗ angſt und der Verzweiflung wilde Qualen folgen Euch Beiden nach! Und möge Gott der Allmächtige, der die Rache in ſeiner Hand hält, die volle Schale Seines Zorns auf euer ſündiges Haupt herabſchütten!
Ich ſchloß die Augen zu und ſeufzte: Gott ſchirme mich!
Ais ich ſie wieder öffnete, war ſie verſchwunden. Die Magd hielt die Thüre weit auf und ich verließ das Haus. Auf der Straße fühlt' ich mich einer Ohnmacht nahe und mußte mich an einem Pfoſten halten. Da reichte mir Je⸗ mand hülfreich die Hand, und ſtand mir einen Augenblick bei in meiner Noth. Mich erholend erblickte ich Robert Har⸗ ding, auf den ich mich ſtützte. Ich wich zurück und ſah ihm ſchaudernd ins Geſicht.„Soll ich Ihnen einen Wa⸗ gen holen?“ fragte er gütig. Ich nickte bejahend mit dem Kopfe und er entfernte ſich zu dieſem Zwecke. Nachdem er zurückgekommen war, ſchug er den Fußtritt ſelbſt her⸗ ab und half mir in den Wageu. Im Begriffe fortzufah⸗ ren, zeigte ich mit dem Finger zum Fenſter hinauf und fragte ihn:
— Wird ſie ſterben?
— Das weiß Gott allein! antwortete er barſch. Aber Sie ſelbſt ſehen ja aus, als ob Sie ſterben wollten! Nun, meinethalben!
Ich befahl dem Kutſcher mich nach Hauſe zu fahren und unterwegs wiederholte ich: nach Hauſe! nach Hauſe! Ich wagte kaum, noch einmal das Haus zu betreten, aus dem Eduard mich gewieſen hatte. Der Portier händigte mir einige Karten und Briefe ein. Ich nahm ſie und be⸗
ab mich zum letzenmale in mein Zimmer. Es war dun⸗ kel geworden und ich klingelte nach Lichter. Ich ſah auf die Briefe in meiner Hand mit einer Art ungegründeter Hoffnung, irgend etwas darin zu finden, was die ſchreck⸗ liche Gewißheit meines Schickſals ändern würde. Ein Be⸗


