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nen ſein Vermögen zu vermachen, und indem ich ihr zu⸗ gleich die feierlichſte Verſicherung gab, daß Sie ſich dieſen Bedingungen nie unterwerfen würden.
— Ich danke Ihnen, antwortete ich kalt, indem ich mich zum Weggehen anſchickte. Man hätte in dieſem Augen⸗ blicke glauben ſollen, daß mein Herz zu Stein geworden wäre. Ich war Heinrich außerordentlichen Dank für ſeine Mittheilungen ſchuldig; und doch war es mir rein un⸗ möglich, ihm auch nur das geringſte Zeichen von Dank⸗ barkeit zu erkennen zu geben oder ahnen zu laſſen: im Gegentheil, alles Böſe in meiner Natur gerieth in Gäh⸗ rung! Mehr als je glaubt' ich ihn zu haſſen. Vielleicht kam es daher, weil er mir bewieſen hatte, was ich bis jetzt nie in Wahrheit glaubte, obgleich ich mir es oft ſelbſt ſagte— daß zwiſchen mir und Eduard eine Schranke läge, die ich trotz aller Anſtrengung nie beſeitigen könnte.
— Gehen Sie noch nicht fort, ſprach er, ich muß Ihnen noch mehr ſagen. Sie haben das Recht, mich zu fragen.—
— Ich habe Sie nichts zu fragen, antwortete ich ſchnell; ſeit der Schreckensſtunde, wo ich durch eine unvorſetzliche Handlung mein ganzes Lebensglück zu Grunde richtete, wo durch ein unheilvolles Zuſammentreffen von Umſtän⸗ den Sie und Ihre Peinigerin Zeugen dieſer Handlung wurden, verlor ich die Macht, das Recht, Beleidigungen zurückzuweiſen, die jedes Weib zurückweiſen wird und ſoll.
— Ellen! rief Heinrich mit Kälte aus, Ihre Ruhe macht mich noch unglücklicher, als Ihre Heftigkeit. Begreifen Sie noch nicht, warum ich mit Thränen, mit Drohungen, mit Bitten, mit der Gewalt der Verzweiflung in Sie drang, insgeheim meine Frau zu werden?— Ich glaubte, daß Sie mich liebten— und hatte ich nicht wirk⸗ lich ein Recht, es zu glauben? Ihre Worte, Ihre Hand⸗ lungen, gaben Sie mir nicht dieſes Recht? Einmal mit Ihnen verheirathet, würde Ihr Vermögen— es gibt nicht viele Frauen, welchen ich das ſagen könnte, aber Ihnen ſag' ich es— würde Ihr Vermögen an Alicen übertra⸗ gen, mich zum wenigſten von dieſem Theile meiner Ver⸗ pflichtungen gegen ſie befreit haben— und würde ich, als


