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Bei dieſem Ausbruche unterdrückter Gefühle, womit ich meinem Herzen Luft machte, erkannte ich wieder in Hein⸗ rich's Zügen den ſchreckenerrege den Ausdruck, der jene Scene am Seeufer in mein Gedächtniß zurückrief.
— Ich überlaſſe Sie der zärtlichen Großmuth derer, die Ihre Liebe beſitzen, erwiederte er mit einem tückiſchen Lä⸗ cheln. Wenn Eduard, nicht von mir, ſondern von Jemand, der mit mir das Geheimniß von Juliens Tod theilt, die Umſtände dieſes Ereigniſſes erfahren wird, dann mögen Sie Troſt in ſeiner Liebe ſuchen.
Eine plötzliche Aenderung in Heinrich's Geſichtsausdruck zeigte mir, wie meine Züge von Todtenbläſſe und entſetz⸗ licher Angſt entſtellt geweſen ſeyn mußten, denn faſt ein gleicher Schrecken ſchien ſich ſeiner bemächtigt zu haben; er warf einen flüchtigen Blick ins andere Zimmer, nahm Waſſer vom Tiſche und brachte es an meine Lippen. Ich ſchlürfte einige Tropfen und mit ſchwacher Stimme ſagte ich ſchnell:„Reden Sie! reden Sie!“
— Geloben Sie feierlich, rief er, nehmen Sie Gott zum Zeugen, daß Sie Eduard niemals entdecken wollen, weder was ich Ihnen nun ſagen werde, noch die Geſchichte von Juliens Tod!
— Ich gelob' es; Gott möge mir gnädig und Richter zwiſchen Ihnen und mir ſeyn! Sprechen Sie, während ich noch Kraft beſitze, Sie anzuhören!
— Wenige Monate nach den Ereigniſſen, die ich Ihnen erzählt habe, fuhr er nach einer Pauſe fort, ging ich nach Elmsley. Sie wiſſen ſo gut, wie ich, auf welche Weiſe wir den Sommer zubrachten. Eines Tages ſagte mir meine Schweſter zu meinem Erſtaunen, daß Miſtreß Tracy ſie beſucht habe, um ſie wegen ihres künftigen Wohnortes um Rath zu fragen, und zu meinem groͤßten Leidweſen erfuhr ich zugleich, daß ihr meine Schweſter das Landhäus⸗ chen zu Bridman angeboten und ſie es auch angenommen hatte. Von dieſer Zeit an lebte ich in beſtändiger Beſorg⸗ niß, daß unſere gegenſeitigen Verhältniſſe an den Tag kommen könnten, denn ich hegte noch immer die ſchwache
Hoffnung, daß irgend ein günſtiger Zufall die Vollziehung
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