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— Wenn ſie mich perſönlich angehen, anwortete ich ſchnell, ſo werd' ich mich ſchon von ſelbſt dazu bewogen finden. Ich will mich durch kein Verſprechen binden. Sie fürchten nicht in meiner Gewalt zu ſtehen und Sie haben recht; aber Sie wollen— verzeihen Sie mir, Heinrich, ich muß aufrichtig mit Ihnen reden— Sie wollen mich unter die Ihrige bringen, und das iſt nicht großmüthig.
— Wenn Sie die Wahrheit erfahren werden, antwor⸗ tete er kalt, ſo werden Sie dieſe gehäſſige Beſchuldigung zurücknehmen. Wenn Sie, wie ich vermuthe, die Abſicht haben, Eduard Middleton zu heirathen, ſo wünſchen Sie
ohne Zweifel auf das lebhafteſte, kein Geheimniß vor ihm zu haben, aber ich betheuere Ihnen, Ellen, daß wenn Sie ihn heirathen,— beſonders aber wenn Sie ihn, unbekannt mit der wahren Beſchaffenheit Ihrer Lage heirathen, Sie ſich, ich hab' es Ihnen ſchon einmal geſagt, unberechenbares Unglück zuziehen werden. Sie glauben mir nicht, ich merk es wohl! rief er ungeduldig aus.
— Ich bin nicht Willens, Eduard Middleton zu hei⸗
rathen; ich werde ihm nie ein Weib aufbürden, deſſen Herz und Leben nie offen vor ihm liegen können. Ich wollte lieber ſterben, als ihm die Verſtellung bekennen, deren ich mich ſchon ſchuldig gemacht habe, oder die Dro⸗ hungen, deren Sie ſich gegen mich bedienten und die Liebes⸗ erklärungen, welche ich von Ihnen anhören mußte, von Ihnen, dem Gatten Alicens, deren Sie ſo unwürdig ſind. wie ich ſeiner unwürdig bin. Nein, ich werde niemals Eduard's Frau. Ich werde ihm niemals Kummer und Unehre bringen. Ich habe mich zur Verſtellung erniedriget, ich habe mich in Lügen verſtrickt: ſo muß ich denn den Giftbecher austrinken, den Sie mir darreichen; aber ge⸗ gen Sie zum wenigſten will ich wahr ſeyn. Da nun keine Geheimniſſe zwiſchen uns obwalten ſollen, Heinrich, ſo will ich Ihnen ſagen, was ich noch keinem ſterblichen We⸗ ſen geſagt habe: ja, ich liebe Eduard von Grund meiner Seele, liebe ihn mit aller Leidenſchaft und aller Zärtlich⸗ keit, welche die Hoffnung überleben und ſich von Verzweif⸗ lung nähren.


