Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
Einzelbild herunterladen

17

warf mein Teſtament, welches ich, ſo wie mein Heirathsver⸗ ſprechen in ſeiner Gegenwart unterzeichnete. John Har⸗ ding ſchaute finſter und mißvergnügt darein. Er mißbil⸗ ligte augenſcheinlich die ganze Verhandlung, und was ich aus einigen, ganz leiſe hingemurmelten Worten abnehmen konnte, bewies mir deutlich, daß ſeiner Meinung nach, ſeine Nichte bei dieſem Geſchäfte am ſchlimmſten weggekommen wäre. Indeſſen ſtand er von jeher unter der Bolmäßigkeit ſeiner Schweſter, und obgleich er ſeitdem mehrmals den Verſuch gemacht hatte, mich auf allerlei Weiſe zu quälen, ſo han⸗ delte er doch nie, mit Ausnahme des plumpen Unterneh⸗ mens in Brandon, aus eignem Antriebe. Der Anreizung ſeines Sohnes zu dem Verſuche, Ihnen Schrecken einzuja⸗ gen, folgend, glanbte er, daß derſelbe, im Falle des Ge⸗ lingens, ihm größern Nutzen gewähren würde, als die Ueber⸗ einkunft, wie ſie beſtand. Und nun, Ellen, werden Sie begreiflich finden, daß nach allem dem, trotz Alicens Schön⸗

heit und ihrer Vorzüge, die ich nicht in Abrede zu ſtellen ſuche, die Idee einer Verbindung mit ihr in meinem Geiſte ſtets ſo viele unangenehme und peinliche Erinnerungen er⸗ weckte, daß ich mit dem größten Widerwillen, den ich ver⸗ gebens zu überwinden ſtrebte, davor zurückbebte. Nun, kllen, nun komme ich zu der Zeit, wo jeder Umſtand meiner Lebensgeſchichte die Ihrige ganz nahe berührt. Liebe Ellen! hören Sie mich mit Ruhe an, und wenn ich von Gefühlen rede, die ich Angeſichts der Welt nicht ausſprechen darf, wenn, den Boden berührend, den wir einſt zuſammen betraten, Worte der Liebe und des Schmerzes meinen Lippen entſchlüpfen, ſo verzeihen Sie mir; leiden Sie mit mir! vergeſſen Sie Alles, ausgenom⸗ men, daß ich Sie liebte, daß ich Sie verloren und An⸗ ſprüche auf Ihr Mitleid habe! Nach einer Pauſe fuhr er fort: Noch bat ich Sie nicht, mir Verſchwiegenheit zu ver⸗ ſprechen; ich fürchte mich nicht, in Ihrer Gewalt zu ſte⸗ hen; aber, liebe Ellen, es gibt Thatſachen, die ich Ihnen nun anzuvertrauen im Begriff bin, die Sie perſönlich an⸗ gehen und deren Geheimhaltung vor Jedermann Sie mir dennoch auf das feierlichſte geloben müſſen. II.

2