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— Mr. Heinrich, Sie haben ſich geſtern Abend ſchwer vergangen, und haben nun die Abſicht, noch Schlimmeres zu thun. Sie werden es nicht thun!
Ich verſuchte, mich wieder zu faſſen. Ich ſtammelte einige Worte, daß ſie von Sinnen wäre, den Verſtand verloren hätte, daß ich beſchäftigt wäre und ſie mir unge⸗ legen käme; ich bat ſie dringend, mich in Ruhe zu laſſen und ſtellte mich zuletzt zornig. Sie ſtand auf, ſah mir ins Geſicht und ſagte unwillig zu mir:
— Erſparen Sie ſich dieſe Lügen, Heinrich Ich kenne Sie, weiß, was Sie gethan haben, weiß, was Sie thun wollen. Aber Gott hat mich hergeſandt, um Sie zu retten!
— Wozu dieſe Jeremiaden, Tracy, rief ich nun wirk⸗ lich aufgebracht aus; verlaſſen Sie mich, verlaſſen Sie mich augenblicklich!
— Mr. Heinrich, fuhr ſie fort, erinnern Sie ſich daran?
Welche ſeltſame Veränderung kann zuweilen ein einziger Augenblick in uns hervorbringen, Ellen! Es war ein klei⸗ nes Portrait meiner Mutter— meiner Mutter,— welche ſtarb, indem ſie mir das Leben gab, und deren Bild ſo oft zwiſchen mich und die Verſuchung trat und nicht ſelten das Unheil, wenn nicht verhütete, doch aufhielt. Ich hatte das Portrait der Tracy mit dem Verlangen übergeben, mir es aufzubewahren, bis ich unſer Haus verließe, um die Hochſchule zu beziehen. Es erweckte nun in meinem Geiſte eine Menge Rückerinnerungen aus meinen Kinder⸗ jahren und viele, wenn auch unbeſtimmte Bilder meiner Jugend traten vor meine Augen und bemächtigten ſich meiner vollkommen. Ich drückte das Portrait an meine Lippen, mein Stolz verſchwand, Thränen ſtrömten über meine Wangen. In dieſem Augenblick der Rührung ge⸗ ſtand ich ihr die ganze Wahrheit. Sie hatte alles zuvor errathen.
Ihrem Bruder war es ſchon ſeit einiger Zeit bekannt, wie tief ich in Schulden ſtack; der ſchlimme Zuſtand meiner Verhältniſſe war ihm kein Geheimniß und er wußte nicht nur, daß ich nichts beſaß, ſondern auch nicht im Stande


