Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
Einzelbild herunterladen

2

zerren, die nahe an Wahnſinn grenzte. Ich ſah ein Opium⸗ fläſchchen auf dem Kamin ſtehen und griff mit verzweif⸗ lungsvoller Haſt danach: wär' es voll geweſen, ich würd' es bis zum letzten Tropfen ausgetrunken haben; es befand ſich aber nur eine kleine Ouantität darin, welche mich etwas beruhigte. Vor Kälte zitternd, ſetzte ich mich ans Fenſter. Heftige Windſtöße trieben den Regen ins Zimmer. Ich blieb auf derſelben Stelle, bis die Nacht dunkler ward und das Laudanum zu wirken anfing. Ich ſank bald in eine Art dumpfer Betäubung. Als ich ſechs Uhr ſchlagen hörte, fuhr ich plötzlich auf; ich tappte im Zimmer herum und ſuchte nach dem Feuerzeug. Nachdem ich eine Wachskerze

angezündet hatte, nahm ich meine Piſtolen aus dem Sekre⸗

tair, legte ſie auf den Tiſch und ſetzte mich hin, um einige Worte an meinen Vater zu ſchreiben. Ich erzählte ihm kurz, doch klar genug, was ich gethan hatte, und bat ihn, jede Unterſuchung zu verhindern, bis er die Mittel gefun⸗ den haben würde, das entwendete Geld zu erſetzen. Mr. Middleton, fügte ich hinzu, würde ſich gewiß um Mary's willen bereit zeigen, meinen Namen vor Schande zu retten. Als ich dieſe letzten Worte niederſchrieb, als ich meiner Schweſter Namen nannte, warf ich die Feder weit weg von mir, und überließ mich einige Augenblicke dem Aus⸗ bruche eines Schmerzes, deſſen Uebermaaß mich alles ver⸗ geſſen ließ, nur nicht den Kummer, den ich ihr verur⸗ ſachte. Ich war im Begriff, die Piſtolen zu laden; da klopfte jemand an meine Thür. Unwillkührlich legte ich ſie wieder in meinen Sekretair, ſchloß ihn zu und ging zur Thüre. Ich glaubte die Hausmagd oder meinen Bedien⸗ ten zu finden und erſchrak nicht wenig, als ich öffnend Miſtreß Traey, Alicens Großmutter, erblickte. Ich war dieſes Beſuches ſo wenig gewärtig, daß ich nicht einmal die Geiſtesgegenwart beſaß, ſie unter einem Vorwande fortzuſchicken, oder ihr die Aufregung zu verbergen, in wel⸗ cher ich mich befand. Ich ſetzte mich auf den erſten, beſten Stuhl und ſah ſie ſtarr und ſtillſchweigend an. Sie ſchloß die Thüre ab, ſetzte ſich mir gegenuͤber und ſagte mit ruhiger, feſter Stimme zu mir: