Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
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Herrn Middleton war nicht nur ſtrenge, er war auch verachtungsvoll: und wenn ich die geringſte Möglichkeit wahrgenommen hätte, mich aus der Verlegenheit zu ziehen, ſo wuͤrde ich das Geld und das von mir verlangte Ver⸗ ſprechen verweigert haben. So gab ich es, weit mehr mit Groll im Herzen als mit dankbarem Gefühle. Wie ich es hielt, haben Sie geſehen, und Sie begreifen nun wohl, daß ich eher nach Amerika entflohen wäre, um nimmer⸗ mehr England wiederzuſehen, als daß ich mich zum zweitenmal an Herrn Middleton gewandt hätte, um ſeine Hülfe in Anſpruch zu nehmen. Es wäre unnütz geweſen, mich meinem Vater anzuvertrauen; Sie wiſſen, er hat kein anderes Einkommen als die Beſoldung, welche ihm ſeine Stelle bei der Marine⸗Verwaltung einträgt.

Heinrich hielt hier inne und ſeufzte tief auf, als wollte er ſeine Kräfte ſammeln und Muth gewinnen, um fortzu⸗ fahren. Er ging zuvor an die Thüre des Nebenzimmers, um ſich zu überzeugen, ob Alice noch ſchliefe; dann kam er wieder zu mir und erzählte weiter:

Am Tage, an welchem ich meine Schulden zu zahlen mich verpflichtet hatte, ging ich ungefähr gegen ſechs Uhr ins Bureau zu meinem Vater. Zuvor war ich einige Stunden lang ohne Zweck durch die dunſtigen, ſtaubigen Straßen gelaufen und begegnete einigen Bekannten, welche den Kopf wegwandten, als ſie mich kommen ſahen. Mein Vater war eben im Begriff zum Mittagseſſen zu gehen; er hielt Hut und Handſchuhe in der Hand und ſagte zu mir, als ich eintrat mit einem lebhaften Ausdruck von Ungeduld in den Geſichtszügen:

Ah! Heinrich! wie geht's Dir! Weißt Du, lieber Junge, daß Du mir einen großen Gefallen erzeigen kannſt? Ich habe den erſten Bureaudiener um halb ſieben Uhr herbeſtellt wegen eines Geſchäftsauftrags; nun dachte ich aber nicht daran, daß ich zum Diner in Percy Croß eingeladen worden, und dort übernachten werde. Wenn Du nichts Beſonderes zu thun haſt und hier war⸗ ten kannſt, ſo würde ich noch zu rechter Zeit zum Diner kommen.