Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
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Wird es Ihnen aber nicht zum Troſte gereichen, Ellen, Ihr Herz vor mir auszuſchütten? Vertrauen Sie mir und ich werde Alles für Sie thun, was in meinen Kräften ſteht, alle Opfer bringen, die eine Frau von einem Manne fordern darf, deſſen Seele mit der ihrigen eng verbunden, deſſen ganzes Daſeyn nur ein langer Traum von ihr iſt. Doch das iſt es ja nicht, was ich ſagen wollte! rief er plötzlich. Er ſtand auf, ſchritt unruhig im Zimmer auf und ab, fuhr mit der Hand über die Augen, ſetzte ſich wieder und fuhr dann fort: Es wird wohl am beſten ſeyn, wenn ich damit anfange, Ihnen die Umſtände meines Lebens zu erzählen, welche Ihnen alle Mißver⸗ hältniſſe erklären werden, worin ich verwickelt war und alle Leiden, die ich erduldete Leiden, welche noch durch Gewiſſensvorwürfe und das Bewußtſeyn, ſie mir ſelbſt zugezogen zu haben, erſchwert wurden.

Solche Leiden ertrugen Sie, Heinrich? O dann reden Sie, ich werde Sie verſtehen und Ihren Schmerz mitfühlen, wie kein anderer Menſch in der Welt ihn mit⸗ zufühlen vermag!

Das weiß ich, Ellen, und bin davon überzeugt; Er⸗ eigniſſe haben eine Schranke zwiſchen uns geſtellt, die nie hätte vorhanden ſeyn ſollen; dennoch wird ein unzerreiß⸗ bares Band der Sympathie unſere Gefühle ſtets vereinen. Erinnern Sie ſich noch der Zeit, wo ich das Collegium verließ und in Elmsley drei bis vier Wochen zubrachte?

Ja, ich entſinne mich und damals war's, wo Sie und Eduard anfingen, mich nicht mehr als Kind zu be⸗ trachten, damals war es auch, wo wir jene weiten Aus⸗ flüge aufs Land zuſammen machten, welche mich noch in⸗ niger mit euch Beiden befreundeten.

Das iſt wahr, antwortete er, jene Tage waren die letzten, die ich ſorgenfrei und ohne Kummer verlebte. Gern gedenk' ich dieſer ſchönen Zeit!

Den Kopf auf die Hand geſtützt, ſchwieg er einige Au⸗ genblicke ſtill. Dann ſprach er weiter:

Ich verließ Elmsley und kam nach London. Hier lebte ich in beſtändiger Zerſtreuung, überließ mich den toll⸗